EEG Forschungsergebnisse
EEG Forschungsergebnisse

QEEG-Pilotstudie über Veränderungen der bioelektrischen Hirnaktivität durch TaKeTiNa objektivierbare Veränderungen

Die quantitative ereignisbezogene Analyse der bioelektrischen Signale der Großhirnaktivität steht seit langem – auch jenseits der klassischen medizinischen Anwendungsgebiete (z.B. in der Epileptologie) – im Fokus der humanmedizinischen Forschung. Dank moderner leistungsfähiger Computersysteme und komplexer mathematischer Algorithmen begründen diese Techniken nicht nur ein neues Verständnis um die Relevanz dieser Signale für die klassischen Indikationsgebiete der Neurologie, sondern eröffnen auch völlig neue Perspektiven hinsichtlich ihrer Nutzbarkeit für komplexe psychologische Fragestellungen und alternative Therapieverfahren, die sich – trotz der gerade bei schulmedizinisch als Problemfall klassifizierten Krankheitsbildern (wie z.B. chronischen Schmerzen) eindrucksvollen subjektiven Behandlungserfolgen – aufgrund methodischer Unzulänglichkeiten lange Zeit einer objektivierbaren Überprüfung entzogen und somit im Kanon schulmedizinischer Verfahren keine nennenswerte oder allenfalls eine Außenseiter-Rolle spielten.

Mit dem Ziel die erstaunlichen Erfolge von TaKeTiNa gerade bei therapierefraktären chronischen Schmerzsyndromen näher zu untersuchen, wurden im Sommer 2010 Teilnehmer an einer entsprechenden Schulungsmaßnahme im TaKeTiNa Institut Wien begleitet, die neurophysiologisch messbaren Korrelate ihrer Großhirnaktivität mittels Mehrkanalelektrodenableitungen während verschiedenen Übungen aufgezeichnet und anschließend mittels quantitativer Analyseverfahren off-line analysiert.

Als a-priori Arbeitshypothese wurde unterstellt, dass

a) bestimmte, während der einzelnen Übungen von Teilnehmern immer wieder während der polyrhythmischen TaKeTiNa Reise durchlebte Chaos-Phasen, denen aus lerntheoretischer Sicht eine zentrale Bedeutung für die Entwicklung neuer endogener Strategien hinsichtlich der Bewältigung chronischer Krankheitsprobleme zukommt, eigentlich durch entsprechende neurophysiologische Korrelate (z.B. durch plötzliche Wechsel hin zu den für Trance, hypnagogische Bewusstseinsphasen, Wachträume, Hypnose, Meditation, tiefe Entspannung und gesteigerte Lernfähigkeit typischen Frequenzbändern) objektivier- und damit nachweisbar sein sollten.

b) Zeitpunkt und Dauer dieser Phasen anhand der QEEG-Analyse eindeutig definiert werden kann.

c) die mit diesen Phasen assoziierten QEEG-Veränderungen deutlich stärker ausgeprägt sein sollten, als die vor der eigentlichen Übungsphase in entspanntem Zustand und völliger Ruhe gemessenen Ausgangswerte.

d) die Charakteristik der objektiv nachweisbaren Veränderungen weder räumlich noch zeitlich mit bekannten anderen (z.B. vigilanzabhängigen oder medikamentös induzierten) QEEG-Veränderungen übereinstimmen.

Als mathematisches Verfahren kam eine Spielform der mehrkanaligen quantitativen DAS-Zeitreihentrendanalyse zum Einsatz, die letztlich sowohl die zeitlichen, räumlichen und energetischen Charakteristika der morphologischen Zyklusdynamik des kontinuierlich aufgezeichneten EEG in Form eines mathematisch eindeutigen Makroindikator für das Makrosystem Gehirn übersetzt, das als stochastisches Maß – analog der von Selye Mitte des 20. Jahrhunderts für das allgemeine Adaptationssyndrom formulierten integrativen EEG-Vigilanz – eine objektivierbare Quantifizierung spezifischer physiologischer Funktionen im Rahmen eines integrativen Rahmenkonzeptes ermöglicht.

Tatsächlich gelang es – trotz aller Hypothesen und Theorien für alle dann doch etwas überraschend – mit diesem Verfahren nicht nur bei den untersuchten Teilnehmern die Chaos-Phasen des „aus dem Rhythmusfallens“ elektroenzephalographisch eindeutig zu entdecken, sondern in diesen visuell zum Teil von anfänglicher Frustration ob des Herausfallens aus der Rhythmus-Reise geprägten Abschnitten der Nachweis bioelektrisch nahezu vollkommener Entspannungszustände, weit jenseits dessen, was den Teilnehmern – trotz bester Rahmenbedingungen vor Antritt der TaKeTiNa Reise – möglich war (siehe Beispiel unten). Zusätzlich zeigte sich auch, dass durch die Erlebnisse während der Rhythmus Reisen ein autonomer Lernprozess in Gang gesetzt werden konnte, der dazu führte, dass die Teilnehmer die während der eigentlichen Übungsphase unbewusst erlernten Entspannungstechniken in ihr alltägliches Verhaltensrepertoire integrieren und es gezielt – z.B. während der abschließenden Kontrolluntersuchung in Ruhe – zum Einsatz bringen konnten (siehe Unterschiede in den Ruhe-Messphasen vor und nach der eigentlichen Übungsphase).

Damit gelang es erstmalig mittels moderner Mess- und Computerverfahren objektive Beweise für TaKeTiNa induzierte neurophysiologische Veränderungen der Großhirnaktivität zu finden, die nicht Grundlage schulmedizinisch akzeptierter Erklärungsmodelle für die erstaunlichen Effekte und Wirkungen dieses rhythmuspädagogischen Therapiekonzeptes sein können, sondern auch Ausgangspunkt für völlig neue TaKeTiNa-gestützte Biofeedbacktherapien.

Dr. med. Michael A. Überall
Medizinischer Direktor
Institut für Neurowissenschaften, Algesiologie und Pädiatrie – IFNAP
Theodorstraße 1
90489 Nürnberg

Abbildung

Darstellung der energetischen Rhythmik des QEEG-Makroindikators vor, während und nach einer knapp 90-minütigen TaKeTiNa Rhythmus-Reise. Beachte die nur unzureichende Entspannung während der Ruhephase vor der eigentlichen Übung (charakterisiert durch die deutlichen Rottöne), die deutliche Anspannung/Aktivität während der polyrhythmischen Rhythmus-Reise (kräftige Rottöne), die vier plötzlich eintretenden und mit dem „aus dem Rhythmus fallen“ assoziierten (Tiefen-) Entspannungsphasen (blockartige Blau-/Grünphasen) sowie die Entspannung während der abschließenden Ruhephase (deutlich geringere Rot-/Gelbfärbung im Vergleich zur Ausgangssituation).